blelb Das Labor für Gestaltung zwischen Kunst und Technik

Das Alfabet als Code

Wahrnehmen heisst unterscheiden
Wenn wir etwas wahrnehmen, dann ist eine Voraussetzung, dass sich dieses Etwas von seiner Umgebung unterscheidet und als ein unabhängiges Ganzes in Erscheinung tritt. Wenn wir ein Objekt wahrnehmen, lösen wir dieses aus seiner Umgebung heraus und erfahren es mit all seinen Eigenschaften als Ganzes. Dieses «Entschlüsseln» der Wirklichkeit durch Bilden von Differenzen zeigt sich auf allen Komplexitätsstufen als elementares Wahrnehmungsprinzip. Interessant ist, dass das Suchen von Ähnlichkeiten und Kontrasten nicht nur ein analytisches Verfahren mit Verwandtschaft zu statistischen Methoden der Psycholinguistik[3] ist, sondern auch eine kreative Komponente hat. Viele Maler, Dichter, Musiker usw. sehen darin ein Produktionsverfahren für ihre Kunst. Erinnert sei an die Surrealisten mit der Bildlogik eines René Magritte oder an die Künstler der Fluxusbewegung, welche die poetische Kraft des scheinbar Zufälligen zu nutzen wussten. Vor diesem Hintergrund ist auch Spot 24 zu betrachten. Sind zwei Wörter durch eine objektive formale Gesetzmässigkeit, ihren Wortwert nämlich verknüpft, so sind wir ebenso gefordert, einen sinnvollen inhaltlichen Zusammenhang zu erfinden, wie wenn wir in zufälligen Mustern plötzlich Gesichter und menschliche Figuren zu erkennen glauben. Hier wird das Alfabet als Code[1] verstanden, als verdecktes Muster, welches kryptische Botschaften[2] enthalten kann.

So funktioniert Spot 24
Das Appet von Spot 24 basiert auf einem einfachen Konzept. Beim Aufrufen der Webseite werden die Hauptwörter (aus Liste V mit Wortwerten zwischen 27 bis 251[1]) eingelesen und in einem internen Wörterbuch gespeichert. Den Buchstaben von A bis Z werden die Zahlen 1 bis 26 zugeordnet. Der Wortwert ist die Quersumme der Zahlen seiner Buchstaben. Leerschläge, Satzzeichen und Ziffern werden nicht berücksichtigt. Die Gross- und Kleinschreibung spielt keine Rolle. Sobald der Benutzer ein Wort eingegeben hat, wird der Wortwert ermittelt, die Codierung angezeigt und das Wort dem internen Wörterbuch hinzugefügt. Das Wort erscheint am Bildschirm zusammen mit Wörtern desselben Wortwertes. Doubletten werden entfernt und das Wort auf der ersten Zeile ausgegeben. Ist das Wort im Wörterbuch noch nicht vorhanden, wird es in Anführungszeichen gesetzt. Nun werden alle Wörter mit demselben Wortwert gesucht. Findet das Programm mehr als 2 verwandte Wörter, so werden diese mit dem Zufall ausgewählt und angezeigt. Es ist durchaus möglich, dass bei der wiederholten Eingabe eines Wortes immer wieder neue Kombinationen entstehen. Beim Verlassen oder Neuladen der Seite vergisst das Programm die neu gelernten Wörter.
Weitere Experimente mit Spot 24
Lassen Sie ihrer Neugier und ihrem Spieltrieb freien Lauf. Sie könnten zum Beispiel Zusammenhänge zwischen ausgeschriebenen Zahlen und ihrem Wortwert erkunden oder statt Hauptwörter verschiedene Tätigkeiten in Form von Verben untersuchen, Wörter verschiedener Sprachen zueinander in Beziehung setzen oder kurze Sätze wie Sprichwörter und Lebensweisheiten eingeben.


Literatur:
[1] Reder C, 2000
Wörter und Zahlen, Das Alphabet als Code
Springer-Verlag Wien
[2] Singh S, 1999
Geheime Botschaften
Carl Hanser Verlag München Wien
[3] Miller G, 1993
Wörter, Streifzüge durch die Psycholinguistik
Spektrum Akdemischer Verlag, Heidelberg
08.11.2003