blelb das Labor für Gestaltung zwischen Kunst und Technik
   

Eine Palette von Phänomenen in Spot 07

Spot 07 zeigt eine ganze Palette unterschiedlicher Farbphänomene in ihrer vielfältigen Wechselwirkung. Änlich wie Spot 08 bezieht er seine Wirkung aus dem Simultankontrast (helle und dunkle Flecken auf dem mittleren Streifen, (vergl. auch Spot 01, Bild 10), dem Kanizsa-Effekt (vergl. Spot 06), der Farbschimmertäuschung (vergl. Spot 05), dem Assimilationseffekt (vergl. Spot 09), dem Bezold-Effekt (vergl. Spot 04 und Spot 08) , dem Transparenz-Effekt und der daraus resultierenden Raumtäuschung (vergl. Bilder 1 bis 10 im Anhang zu Spot 01), sowie der Grössentäuschung (vergl. Spot 01, Bild 11). Sogar ein wenig Bambus-Effekt steckt in dieser Palette (vergl. Spot 01, Bild 13).

Wir überprüfen als erstes die scheinbar verschiedenen Blautöne der drei Streifen mit unserer Bezold-Effekt-Testanlage (vergl. Spot 01, Bilder 19 und 20 sowie Spot 08) und vergleichen

Bezold-Effekt-Testanlage-

mit einem entsprechenden Bild von Spot 07: Die durch den Bezold-Effekte ausgelösten Farb- und Helligkeitsänderungen zeigen zwar in die richtige Richtung, erklären jedoch die Wahrnehmungstäuschung der drei Streifen keineswegs vollständig. Das Aufschlüsseln in die Einzeleffekte ist ein schwieriges ungelöstes Problem.

Ausschnitt von Spot 07 Interessant an den Bildern von Spot 07 sind die Randtäuschungen (scheinbare wellige Begrenzung der Streifen), die Raumtäuschung, welche auch bei einer stark vergrauten Bildbühne unerwartet stabil bleibt, und die Abstandstäuschung der drei äquidistanten Streifen als Folge der scheinbaren räumlichen Schichtung in Vorder-, Mittel- und Hintergrund.
Ein blelb-Experiment von 1992
Drei in Wirklichkeit identische Blau-, Gelb- und Rottöne werden verschieden wahrgenommen, die farbigen Streifen liegen scheinbar in verschiedenen Ebenen (Raumtäuschung) und scheinen eine wellige Begrenzung und verschiedene Abstände zu haben. Der Simultankontrast auf den
blelb-Experiment von 1992

Kreuzungsstellen zwischen den schwarzen und den vorne liegenden farbigen Streifen tritt deutlich in Erscheinung: Die laterale Hemmung bewirkt diese scheinbaren Aufhellungen. Der Raum-Effekt wird durch das Vorhandensein von T-Stücken (Verdeckungsmerkmale, vergl. auch Spot 06) erzeugt. Der Stamm des T wird nämlich vom Gehirn als Element des Hintergrundes und das Dach des T als Element des Vordergrundes interpretiert. Bei Rot und Blau im Mittelgrund ist ein schwacher Neon-Effekt (vergl. Spot 06) zu beobachten, welcher sich bei Vergrösserung des Bildabstandes verstärkt.
Spot 07 ist eine Weiterentwicklung dieses Bildes, welche sich auf den Farbakteur Cyanblau beschränkt und das Studium der Einflüsse der Bildbühne ermöglicht.
In Amerika wurde, unabhängig von unseren Entdeckungen, eine ähnliche Bildtäuschung mit der Bezeichnung White`s Illusion publiziert [1].

01.06.2002