|
|
|
|||||||||||||
Die Grauwert-Täuschung(mit Bildexperimenten) |
|
|||||||||||||
| Was spielt sich ab? Sobald Sie mit Hilfe des Schiebers vier Platten vom Würfel trennen, zeigt der letztere nur noch zwei Grauwerte. Es können somit insgesamt lediglich vier Grauwerte im Spiel sein. Sobald die beweglichen Platten andererseits wieder am Würfel kleben, verändern sich in Ihrer Wahrnehmung die Grauwerte der Restflächen: Diejenige auf der hell beleuchteten Seite erscheint jetzt dunkler, diejenige auf der Schattenseite etwas heller, so dass Sie nun insgesamt sechs verschiedene Grauwerte auszählen können, obwohl physikalisch gesehen nur vier existieren. Beachten Sie, dass eine winzig kleine Verschiebung der Platten die Grauwerttäuschung bereits stark reduziert. Was passiert in unserem Kopf? Die helle Würfelseite links, die Halbschattenseite oben und die Schattenseite rechts wurden für eine verbesserte Wahrnehmung im extrastriären visuellen Cortex «neu ausgeleuchtet». Man nennt dieses Phänomen auch Luminanzeffekt. Die im Netzhautbild vorhandenen Kontraste werden dabei verstärkt. Die Grauskala wird gespreizt. Ein kontrastreicheres Bild hat grundsätzlich die besseren Chancen, entschlüsselt zu werden. Was sollen wir sehen? Ein Hauptziel unserer Wahrnehmung ist bekanntlich das Erkennen von Figuren oder Objekten. Das Objekt besteht in diesem Beispiel aus vier weissen und vier schwarzen, zu einem Schachwürfel aufgetürmten Steinen. Drei weisse und vier schwarze Steine sind in der gezeigten Ansicht teilweise sichtbar. Das Licht- und Schattenspiel erzeugt nun - so wie in der Natur - unerwünschte Helligkeitsänderungen. Sobald die hellen Flächen im Halbschatten (weisse Steine) gleich oder dunkler als die dunklen Flächen im Licht (schwarze Steine), und analog die dunklen Flächen im Halbschatten gleich oder heller als die hellen Flächen im Schatten erscheinen, haben wir ein Problem: Das Sortieren in schwarze und weisse Steine ist gefährdet. Die Steine verlieren ihre Identität. Um diesen Trend ins Chaos zu bekämpfen, wird die Schattenseite des Würfels in unserem Kopf etwas aufgehellt und die hell beleuchtete Seite etwas abgedunkelt. Diese Lichtregie spielt sich innerhalb von Luminanzgrenzen ab (das sind hier die Schattengrenzen), welche vorgängig von unseren neuronalen Bildbearbeitungswerkzeugen automatisch aufgespürt werden. Sind die demonstrierten Grauwerttäuschungen Fehler unseres Sehsystems? Nein! Unser Sehsystem soll die physikalischen Grauwerte von Objekten als Identifikationsparameter behandeln und deshalb die auf der Netzhaut registrierten, durch Licht und Schatten verfälschten Grauwerte auskorrigieren. Die entstehenden «Täuschungen» sind somit erwünschte Korrekturen bei der Realisierung der so genannten Grauwertkonstanz. |
||||||||||||||
| Zurück zu Spot 28 | ||||||||||||||
| Demontage der sichtbaren Würfeloberfläche | ||||||||||||||
|
||||||||||||||
| Zurück zu Spot 28 | ||||||||||||||
| Zum Einfluss von Trennlinien und Fugen | ||||||||||||||
|
||||||||||||||
| Zurück zu Spot 28 | ||||||||||||||
| Man sieht, was man sehen möchte … | ||||||||||||||
|
||||||||||||||
| 3D-Effekte begünstigen Grauwerttäuschungen, sind jedoch nicht eine Voraussetzung | ||||||||||||||
|
||||||||||||||
| Zurück zu Spot 28 | ||||||||||||||
| Zu den neurologischen Prozessen der «Täuschungen» resp. Grauwertkorrekturen Unser Sehsystem korrigiert, um die erwähnte Grauwertkonstanz annähernd zu erreichen, auf mindestens vier Ebenen der neuronalen Datenverarbeitung: Im Netzwerk der Netzhaut, d.h. auf der untersten Ebene werden bereits Kontraste geschärft (simultaner Helligkeitskontrast). Diese lokalen Bildkorrekturen ereignen sich automatisch überall dort, wo zwei verschieden graue Flächen zusammenstossen. Die rezeptiven Felder der beteiligten Neuronen, das sind die Netzhautbereiche, welche diese Neuronen beeinflussen können, sind vorläufig noch klein. Im primären visuellen Cortex und den angrenzenden Arealen werden mit verschiedenen automatischen Bildbearbeitungswerkzeugen die Grenzlinien nachgezeichnet, Scheinkanten produziert, Figur und Grund separiert, transparente Objekte aufgespürt und Luminanzgrenzen gezogen. Innerhalb dieser Grenzen wird das Bild dann neu ausgeleuchtet. Dabei verändern sich auch die Grauwertdaten. Die rezeptiven Felder sind nun bereits viel grösser. Auf der dritten Verarbeitungsstufe erhalten die Objekte der Bildszene räumliche Konturen mit Tiefeninformation. Das Stereosehen kann dabei involviert sein oder nicht. Die Resultate beeinflussen rückwirkend die Figur-Grund-Separation sowie die Luminanzgrenzen und somit auch die Grauwertparameter. Die rezeptiven Felder sind nochmals grösser geworden. Auf der vierten Ebene finden schliesslich kognitive Prozesse statt, die auf gespeicherte Bilder der Erinnerung zurückgreifen und die Wahrnehmung (beispielsweise der Grauwerte) nochmals beeinflussen. Der ganze Prozess dient dem Auskorrigieren und Optimieren der mutmasslichen Objektdaten für eine möglichst fehlerfreie Erkennung der wahrgenommenen Objekte.
Literatur:
|
||||||||||||||
| Zurück zu Spot 28 | ||||||||||||||
| 02.06.2005 | ||||||||||||||