Steigernde und hemmende Einflüsse auf den Neon-Effekt
Die Farben Grün und Gelb mit mittleren Wellenlängen unterdrücken den Neon-Effekt und erzeugen eine normale Farbschimmertäuschung. Die kurz- und langwelligen Farben Blau und Rot hingegen unterstützen den Neon-Effekt. Wählt man Gegenfarben für den Hintergrund und die Intarsien (Rot und Grün; Blau und Gelb), so wird der Neon-Effekt begünstigt, wählt man hingegen benachbarte Farben (z.B. Orange und Rot), so verschwindet der Effekt.
In dämmrigen Licht verstärkt sich der Neon-Effekt.
Interessant ist auch, dass graue Linien, eingebettet in farbige Linien, einen schwachen Farbschimmereffekt in der Gegenfarbe erzeugen können.
Der Neon-Effekt in der Bildersammlung
Die gezeigte Bildersammlung enthält verschiedene Farbschimmertäuschungen. Ausgeprägte Neon-Effekte findet man nur im Schriftzug des Titels, im Bild mit dem schwebenden Kreis über dem «Stäbchensalat», im Bild mit der halbtransparenten bläulichen Milchglas-Kreisscheibe und im Schlussbild. Andere Bilder dieser Sammlung bilden eine Brücke zu Spot 06.
In den höheren Hirnregionen und unter dem Meeresspiegel
Man weiss heute, dass der Neon-Effekt und der Kanizsa-Effekt (Spot 06) im Gegensatz zum Assimilations-Effekt (Spot 09) in den höheren Hirnregionen des visuellen Kortex entsteht. Um einen «Schmutzeffekt» handelt es sich dabei offenbar nicht. Ein solch komplexer Effekt muss entweder ein Irrläufer der Evolution sein oder einen tieferen Sinn haben. Interessant ist, dass nach dem Aufglühen der im Zwischenraum scheinbar versprühten Farbe die Illusion einer vorgelagerten halbtransparenten Struktur entsteht. Das Aufglühen scheint eine Verstärkung der Wahrnehmung zu sein. Selbst wenn das Licht der Intarsien für eine Wahrnehmung nicht ausreicht, kann unser vor rund 300 Millionen Jahren entwickeltes Sehorgan dank dieser Verstärkung evtl. noch etwas erkennen. Vielleicht ist der Neon-Effekt ein Überbleibsel der Entwicklung des Sehvermögens unter dem Meeresspiegel. Dort mangelt es an Licht, und das Erkennen von transparenten Körpern vor filigranen Strukturen mag eine Rolle gespielt haben.
Literatur:
- [1] Varin D, 1971
- Fenomeni di contrasto e diffusione cromatica nell`organizzazione spaziale del campo percettivo
Rivista di Psicologia 65 101-128
- [2] van Tujil, H. (1975)
- A new visual illusion: Neonlike color spreading and complementary color induction between subjective contours.
Acta Psychologica, 39, 441-445.
- [3] Kanisza, G. (1979)
- Organisation in Vision. Essays on Gestalt Perception, Praeger.
- [4] Bressan P, Spillmann L, Mingolla E and Watanabe T, 1989
- Neon color spreading: a review
Perception 26 1353-1366